Sport im Frühling: Warum Sehnen jetzt besonders anfällig sind

Mit den ersten milden Temperaturen kehrt bei vielen Menschen die Lust auf Bewegung zurück. Nach den eher ruhigeren Wintermonaten werden sportliche Aktivitäten wieder aufgenommen oder deutlich intensiviert – sei es beim Joggen, Radfahren oder im Fitnessstudio.

Gerade in dieser Phase kommt es jedoch häufig zu Beschwerden im Bereich der Sehnen. Schmerzen am Ellenbogen, an der Achillessehne oder im Knie treten typischerweise dann auf, wenn die Belastung schneller gesteigert wird, als sich der Bewegungsapparat anpassen kann.

Warum Sehnen langsamer reagieren als Muskeln

Während sich die Muskulatur relativ schnell an neue Belastungen anpasst, reagieren Sehnen deutlich träger. Sie sind weniger durchblutet und benötigen mehr Zeit, um sich strukturell an steigende Belastungen anzupassen.Das führt dazu, dass sich viele Menschen subjektiv „fit genug“ fühlen, um intensiver zu trainieren, während die Sehnen noch nicht ausreichend vorbereitet sind. Diese Diskrepanz ist eine der häufigsten Ursachen für Überlastungsbeschwerden im Frühjahr. Hinzu kommt, dass monotone Bewegungen – etwa beim Joggen oder Tennis – bestimmte Sehnen immer wieder in gleicher Weise beanspruchen. Ohne ausreichende Regeneration kann es so zu Reizzuständen kommen, die sich schleichend entwickeln und zunächst oft unterschätzt werden.

Typische Beschwerdebilder im Frühjahr

Im Praxisalltag zeigt sich im Frühjahr ein sehr charakteristisches Muster an Beschwerden, die nahezu immer im Zusammenhang mit einer plötzlichen Steigerung der körperlichen Aktivität stehen. Besonders häufig betroffen sind Sehnenansätze, also die Übergangsbereiche zwischen Muskel und Knochen, die auf wiederkehrende Zugbelastung empfindlich reagieren.

Ein klassisches Beispiel ist der sogenannte Tennisellenbogen. Dabei treten Schmerzen an der Außenseite des Ellenbogens auf, häufig ausgelöst durch ungewohnte oder repetitive Belastungen – nicht nur beim Sport, sondern auch bei Tätigkeiten wie Gartenarbeit oder handwerklichen Arbeiten. Die Beschwerden entwickeln sich meist schleichend und werden oft erst dann wahrgenommen, wenn alltägliche Bewegungen plötzlich schmerzhaft sind.

Auch die Achillessehne gehört zu den typischen Problemzonen im Frühjahr. Gerade bei Läufern, die nach einer Pause wieder einsteigen oder ihr Trainingspensum zu schnell erhöhen, kommt es häufig zu Reizzuständen. Anfangs zeigt sich dies oft als morgendliche Anlaufschmerz oder als Ziehen unter Belastung, das sich im Verlauf verstärken kann.

Im Bereich des Knies treten häufig Beschwerden an der Patellasehne auf, insbesondere bei Sportarten mit Sprung- oder Laufbelastung. Diese äußern sich als belastungsabhängige Schmerzen unterhalb der Kniescheibe und sind oft ein Hinweis auf eine Überforderung der Sehne bei gleichzeitig unzureichender muskulärer Stabilisierung.

Allen diesen Beschwerdebildern ist gemeinsam, dass sie selten plötzlich entstehen, sondern sich über einen gewissen Zeitraum entwickeln. Anfangs werden die Symptome häufig ignoriert oder als „normale Anpassungsreaktion“ fehlinterpretiert. Bleibt die Belastung jedoch unverändert bestehen, kann sich aus einer zunächst harmlosen Reizung eine länger anhaltende, behandlungsbedürftige Problematik entwickeln.

Sehnenschmerz Varianten

Was jetzt wichtig ist: Belastung richtig steuern

Der entscheidende Faktor im Umgang mit Sehnenbeschwerden ist die richtige Dosierung der Belastung. Ein abrupter Einstieg in intensives Training sollte vermieden werden. Stattdessen ist es sinnvoll, die Belastung schrittweise zu steigern und dem Körper Zeit zur Anpassung zu geben.

Auch die Qualität der Bewegung spielt eine zentrale Rolle. Fehlbelastungen, etwa durch unzureichende Technik oder muskuläre Dysbalancen, erhöhen das Risiko für Reizzustände deutlich. Ergänzende Kräftigungsübungen – insbesondere für stabilisierende Muskelgruppen – sind daher ein wichtiger Bestandteil der Prävention.Regeneration ist kein optionaler Faktor, sondern Teil des Trainings. Nur wenn Sehnen ausreichend Zeit zur Erholung bekommen, können sie sich an neue Belastungen anpassen.

Wann Beschwerden ärztlich abgeklärt werden sollten

Nicht jede Sehnenreizung erfordert sofort eine ärztliche Behandlung. Leichte Beschwerden können sich häufig durch eine vorübergehende Reduktion der Belastung, angepasste Bewegung und ausreichende Regeneration innerhalb weniger Tage deutlich verbessern. Entscheidend ist dabei, wie sich die Symptome im Verlauf entwickeln und ob eine klare Besserung erkennbar ist.Eine orthopädische Abklärung ist insbesondere dann sinnvoll, wenn Schmerzen über einen Zeitraum von mehr als ein bis zwei Wochen bestehen bleiben oder sich unter Belastung sogar verstärken.

Auch wenn alltägliche Bewegungen zunehmend eingeschränkt sind oder bestimmte Belastungen nicht mehr schmerzfrei möglich sind, sollte die Ursache genauer untersucht werden. Warnsignale sind zudem anhaltende Druckschmerzen an Sehnenansätzen, morgendliche Anlaufschmerzen, die nicht nachlassen, oder ein zunehmendes Spannungsgefühl im betroffenen Bereich. In solchen Fällen besteht die Gefahr, dass sich aus einer zunächst funktionellen Reizung strukturelle Veränderungen entwickeln.Ziel der ärztlichen Untersuchung ist es, frühzeitig zwischen einer vorübergehenden Überlastung und einer beginnenden chronischen Sehnenproblematik zu unterscheiden.

Eine gezielte Diagnostik ermöglicht es, die Belastung individuell anzupassen und geeignete therapeutische Maßnahmen einzuleiten, bevor sich die Beschwerden verfestigen und den Alltag oder sportliche Aktivitäten langfristig beeinträchtigen.

Ärztliche Untersuchung am Knie

Welche Behandlungen sinnvoll unterstützen können

Die Behandlung von Sehnenbeschwerden folgt in der konservativen Orthopädie einem klaren Prinzip: Ziel ist es, die betroffene Struktur zu entlasten, Reizzustände zu reduzieren und gleichzeitig die Voraussetzungen für eine nachhaltige Heilung zu schaffen. Dabei steht nicht die kurzfristige Symptomunterdrückung im Vordergrund, sondern die funktionelle Wiederherstellung der Belastbarkeit. Ein zentraler Bestandteil ist die gezielte Anpassung der Belastung. Das bedeutet nicht vollständige Schonung, sondern eine kontrollierte, schmerzadaptierte Bewegung. Sehnen reagieren positiv auf dosierte Reize – entscheidend ist jedoch die richtige Intensität und Frequenz. Ergänzend kommen therapeutische Verfahren zum Einsatz, die den Heilungsprozess unterstützen und die Regeneration des Gewebes fördern.

Die Stoßwellentherapie hat sich insbesondere bei länger bestehenden Sehnenreizungen bewährt. Durch mechanische Impulse wird die lokale Durchblutung angeregt, Stoffwechselprozesse im Gewebe werden aktiviert und die Selbstheilungskräfte gezielt stimuliert. Dies kann dazu beitragen, chronische Reizzustände zu durchbrechen und die Belastbarkeit schrittweise wieder aufzubauen.

Kinesio-Taping wird häufig ergänzend eingesetzt, um überbeanspruchte Strukturen im Alltag und bei Bewegung funktionell zu entlasten. Das elastische Tape beeinflusst die Muskelspannung, verbessert die Wahrnehmung der Bewegung (Propriozeption) und kann so helfen, Fehlbelastungen zu reduzieren, ohne die natürliche Beweglichkeit einzuschränken.

In bestimmten Fällen kann auch die Akupunktur eine sinnvolle Ergänzung darstellen, insbesondere wenn muskuläre Verspannungen oder ein erhöhter Muskeltonus die Beschwerden verstärken. Durch die gezielte Stimulation bestimmter Punkte lässt sich das Schmerzempfinden regulieren und die muskuläre Entspannung fördern.

Welche Maßnahmen im Einzelfall sinnvoll sind, richtet sich immer nach der genauen Ursache der Beschwerden, dem Aktivitätsniveau und dem individuellen Belastungsprofil. Eine strukturierte orthopädische Beurteilung bildet daher die Grundlage für ein passgenaues Behandlungskonzept.

Fazit: Aktiv bleiben – aber mit Struktur

Der Frühling ist der ideale Zeitpunkt, um wieder mehr Bewegung in den Alltag zu integrieren. Gleichzeitig ist er eine Phase, in der Überlastungsbeschwerden besonders häufig auftreten. Wer seinem Körper Zeit zur Anpassung gibt, Belastungen bewusst steigert und erste Warnsignale ernst nimmt, kann Sehnenprobleme in vielen Fällen vermeiden.

Sollten Beschwerden dennoch auftreten, lassen sich diese mit einer frühzeitigen und gezielten Behandlung in der Regel gut kontrollieren – damit Bewegung auch langfristig Freude macht und nicht zur Einschränkung wird.

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